Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Würzburg

Konferenz „Anschluss erreichen“

Auf der Konferenz „Anschluss erreichen“ am 19. und 20. Mai diskutierten Politik, Kommunen, Verbände und Bahn über das Fahrradparken an Bahnhöfen und auf Bahnhofsvorplätzen. Der ADFC fordert eine attraktivere Verknüpfung von Fahrrad und Bahn.

Ein Saal voller Menschen, die an der DB-Konferenz Anschluss erreichen teilnehmen.
Bei der DB-Konferenz "Anschluss erreichen" ging es um eine bessere Verknüpfung zwischen Bahn, Fahrrad, E-Scooter und Fußverkehr. © DB/Oliver Lang

Zur Konferenz „Anschluss erreichen – Die Konferenz für Radparken, E-Scooter und Fußverkehr“ lud die DB InfraGO ein. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wollte gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium auf ein unterschätztes Thema aufmerksam machen: die Anschlussmobilität an Deutschlands Bahnhöfen. Zwei Tage lang diskutierten in Berlin etwa 350 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen, Wissenschaft, von Verkehrsverbänden und der Bahn darüber, wie die Verknüpfung von Bahn, Fahrrad, E-Scooter und Fußverkehr einfacher und attraktiver gestaltet werden kann.

Bei der Konferenz ging es um Fragen der kommunale Mobilitätsplanung, der Gestaltung von Bahnhofsvorplätzen, Förderprogramme sowie die Rolle moderner Fahrradabstellanlagen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) betonte die Bedeutung funktionierender Wege zum Bahnhof: Für einen attraktiven Schienenverkehr sei der Weg zum und vom Bahnhof entscheidend. Um die Bedeutung auch aus Sicht der Politik hervorzuheben, kündigte der Minister an, im Herbst einen Preis für Anschlussmobilität auszuloben. Die Preisverleihung soll dann im nächsten Jahr stattfinden.

Fehlplanungen von Fahrradparkhäusern

Zu Beginn der Konferenz warnte die Verkehrswissenschaftlerin Prof. Dr. Stefanie Bremer davor, Fahrradparkhäuser am falschen Standort zu bauen. Müssen Radfahrende erst lange Wege zum Bahnhof zurücklegen oder finden sie komplizierte Zugangssysteme vor, nehmen sie die Parkhäuser nicht an, so Bremer.

Als Beispiel für die falsche Standortwahl gilt das Fahrradparkhaus im niedersächsischen Wolfenbüttel: Hier wurden Standort und Zugangssystem stark kritisiert und schlussendlich musste das mehrere hunderttausend Euro teure Parkhaus umgebaut werden.

Gute Anschlussmobilität durch attraktive Bahnhöfe

Engpässe an Treppen sowie Ein- und Ausgängen, schlechte Beschilderung, mangelnde Barrierefreiheit oder Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr erschweren vielerorts den Umstieg, genau wie nicht funktionierende Ticketautomaten oder schwer zu öffnende Fahrradboxen.

Gute Anschlussmobilität lässt sich nur erreichen, wenn Bahnhöfe attraktiv gestaltet sind, sie einen reibungslosen und komfortablen Zugang bieten und dauerhaft gepflegt werden, so Professorin Bremer weiter. Zudem könnten smarte Mobilitätsdienstleistung eingebunden werden, beispielsweise in dem Pendler:innen aktiv etwa über Verspätungen per Smartphone informiert werden.

Förderprogramm für Fahrradparkhäusern ausgelaufen

Auf der Konferenz wurde deutlich, dass die Finanzierung vieler Projekte stockt, die die Anschlussmobilität verbessern könnten. So lief zum Beispiel das Bundesförderprogramm „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“ nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds Ende 2023 aus. Im Rahmen der „Bike+Ride-Offensive“ unterstützt der Bund noch gemeinsam mit der DB über die Kommunalrichtlinie standardisierte, aber meist kleinere Fahrradabstellanlagen.

DB-InfraGO-Chef Philipp Nagl betonte, dass inzwischen deutlich mehr Geld, beispielsweise aus dem Sondervermögen, in Bahnhöfe investiert werde als noch vor wenigen Jahren. Außerdem verfolge die Deutsche Bahn das Konzept der „Zukunftsbahnhöfe“. Dabei sollen Bahnsteige, Empfangsgebäude und Bahnhofsumfelder künftig gemeinsam modernisiert werden.

ADFC: Mehr Geld und besser Verknüpfung nötig

Auch Verteter:innen des ADFC waren bei der Konferenz dabei und beteiligten sich an den Diskussionen. Der ADFC sieht weiterhin großen Handlungsbedarf bei der Kombination von Fahrrad und Bahn: „An den meisten Bahnhöfen werden Fahrräder aus Sicherheitsgründen nur ungern abgestellt. Die Mitnahmekapazitäten für Fahrräder im Nah- und Fernverkehr sind beschränkt und unkomfortabel – und selten gibt es Leihräder für die letzte Meile vom Bahnhof zum Ziel“, sagt ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann. „Das muss sich dringend ändern, denn die Kombination von Fahrrad und Bahn ist die Ideallösung für die nachhaltige Mobilität und sollte so bequem wie Autofahren sein. Es braucht nahtlose und komfortable Angebote für alle, die auch ohne Auto mobil sein wollen oder müssen – in den Städten und vor allem auch auf dem Land“, so Lodemann.

Bundesweit fehlen rund eine Million Fahrradabstellplätze und etwa 1.000 Fahrradparkhäuser an wichtigen Bahnhöfen. Der ADFC fordert deshalb deutlich höhere Investitionen in die Anschlussmobilität sowie eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Bahn und Kommunen.

Kritik übte der ADFC auch am Ende des Förderprogramms für Fahrradparkhäuser. „Es klafft eine riesige Lücke zwischen den fahrradfreundlichen Zielen der Bundesregierung und der Finanzierung. Die Förderprogramme für Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen müssen dringend aufgestockt und fortgesetzt werden“, sagt Dr. Caroline Lodemann. Es sei wichtig, dass Fahrradparkhäuser über gute Radwege leicht erreichbar und dass sie auch durchgängig geöffnet sind. Lodemann: „Das schönste Fahrradparkhaus nützt nichts, wenn es versteckt liegt, nur auf Holperstrecken erreichbar ist oder schon um 18 Uhr schließt. Ideal sind Fahrradparkhäuser, in die man rund um die Uhr ebenerdig hineinfahren kann.“

Der ADFC fordert außerdem, dass die Fahrradmitnahme im Nah- und Fernverkehr einfacher und zuverlässiger werden muss.


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